Epik und Dramen sowie Lyrik aus Milea und damit einblicke in die Mileaische Seele.

Über die Gründung und Reformation der Magiergilde Mileas
von Horicles
O heil‘ge Insel Tol Heleg in des Rosenlichtes Schimmer;
Durch Schneeblumen, über Türme hin wehn linde, sanfte Brisen,
Es senken sich zum wilden Meer hinab die weißen Wiesen.
Ein lauer Frühlingsnachmittag ist Ewigkeit geworden,
Und mystisch, stets in Dunst gehüllt, lebt hier der Zirkel des Magier-Ordens.
Die Ratgeber von Potentaten, gerecht und weise immer.
Zweihundertdreißig Jahre nach dem Ausbruch des Vulkanen
Gab es zwei junge Männer, die beim Zirkel hier studierten.
Des einen Geist war licht und warm; den andren interessierten
Nur Knochen, Schädel, Würmer und makabrer Totentanz,
Denn Nabus, er beschritt den Weg des Bösen ganz
Und machte die verführten Seelen sich zu Untertanen.
Galerion besaß ein gutes Herz und frohen Mut.
Er stellte Nabus unter dem Urágal-Turm,
Sprach: „Du missbrauchst die Kraft mit bösen Machenschaften, Wurm!“
Bringst Chaos in die Geisterwelt, das darf es nicht mehr geben!
Doch Nabus spottete dem Frieden und dem Leben,
Die dunklen Künste lockten ihn, Verwesung, Tod und Blut.
Ach Tol Heleg, heil‘ge Insel, viel zu groß war dein Vertrauen,
Die schlimme Wahrheit kam ans Licht, doch als die Schuld dann feststand,
Da wurde Nabus einfach nur verbannt aufs Festland.
Dort fing er viele Seelen ein, der Tod begann zu wüten.
„Fürwahr, ihr habt den bösen Wolf geschickt zum Schafehüten!“
So sprach entsetzt Galerion. „In Milea herrscht das Grauen!“
‚“Wir sprechen hier nicht mehr von ihm“, so sagten ihm die Weisen.
Die Meister auf der Insel waren gleichgültig und kühl,
Für Menschen und für Elfen zeigten sie kein Mitgefühl.
Galerion wollte daher einen neuen Orden gründen,
Die Magiergilde sollte nun vom wahren Zauber künden.
Und also kam für ihn die Zeit, von Tol Heleg abzureisen.
Vanus Galerion, von dem die Heldenlieder sagen,
Verließ den Zirkel, und er brachte die Magie ins Land.
Er sah die Wunden, zugefügt von Nabuss Hand
In Mileas Wüsten, Wäldern, Bergen, Tälern, Meeren, Städten -
Vor seinem dunklen Würgegriff konnte sich niemand retten.
Verwünschte Artefakte wurden ihm herbeigetragen.
Magiern und Hexen konnte er für seine Sache werben.
Sie schleppten Öl zu seiner Höhle, blutverschmiertes Kraut,
Das süße Tusken-Gift, Staub, Knochen, Menschenhaut,
Giftpilze, Wurzeln und dergleichen mehr verfluchte Schätze,
Er saugte ihre Kräfte auf, der Spinne gleich im Netze.
König der Würmer, Nabus, konnte nicht mehr sterben.
Verfault war er nun bis ins Mark, mit Leichengift durchtränkt,
Noch war er Nabus, hatte Körper und Verstand,
Und dennoch ein Kadaver, als die Menschlichkeit verschwand.
Das Blut in seinen Adern war ein giftiges Gebräu,
Doch Macht und Lebenskraft gewährten täglich ihm aufs neu
Die Artefakte, die ihm die Unsterblichkeit geschenkt.
Galerion verließ die Gilde, schimpfte sie verlogen.
Die Lüge ist ein starker Strom, kaum in die Bahn zu lenken.
Galerion sah Nabuss Aufstieg mit Bedenken.
Zu seinen Magiern sprach er: „Dieses muss ich noch vollbringen,
Den töten, der nicht sterben kann, den Wurm muss ich bezwingen“.‘
Zum Bergpass Weißkamm in den Norden ist er mit den treuen gezogen.
So einen Kampf erlebt die Welt nicht mehr in tausend Jahren.
Galerion, mit Schwert und Axt, gewappnet mit Magie,
Rief: „Würmerkönig, gib die Artefakte auf und flieh,
Und lebe fortan so, wie einem Toten es gebührt.“
„Du stirbst zuerst!“ sprach Nabus, lachte ungerührt.
Da stürzte sich das Magierheer auf die unheil‘gen Scharen.
Der Berg erbebte; Kältewelle folgte Feuerschwall,
Die Blitze zuckten hin und her im wilden Hagelwetter.
Es flogen Kampfmagiern herbei, sie regneten wie Blätter.
Untote Krieger spie der Grund, heraufbeschworne Leichen,
Doch mussten sie dem heil‘gen Licht der Magiergilde weichen.
Entfesselt tobte die Magie, und Blut troff überall.
Wie schwere Peitschenhiebe, wie Gewitter in der Nacht,
Wie das Gebrüll der Löwen, die von ferne Beute wittern,
So ließ Galerion den Berg bis auf den Grund erzittern.
Die dunkle Horde fiel, jedoch ihr Meister, den sie riefen,
Der Würmerkönig selbst erhob sich nunmehr aus den Tiefen.
Nirn selbst schrie seine Qual heraus in dieser Magierschlacht.
Er öffnete den Rachen, seine Augen glühten Brand,
Und modrig faule Finsternis erbrach er aus dem Bauch.
Wer diese atmete, verspürte kalten Todeshauch.
Am Himmel überm Berge wich die Helligkeit der Nacht.
Doch dann versiegte Nabuss unheilvolle Macht:
Die Todesartefakte riss man aus der Klauenhand.
Als Gut und Böse hundertfach den Tod gefunden hatten,
Ist auch Vanus Galerion, der Tapfere, gestorben.
Man glaubte, Nabus sei nun auch tot und verdorben,
Vom Wind verweht, der gleichfalls seine bösen Helfer packte.
Zur Magiergilde, von Galerions Beispiel reformiert, brachte man die üblen Artefakte
Von ihm, der noch im Untod lebte, Nabuss Schatten.
Ihr Kinder, lauscht, wenn Schatten nachts auf euer Fenster fallen,
Das Dorf schläft, leer die Straßen, schwarzes Unheil droht der Wald,
Die Monde leuchten schaurig durch die Wolken, bleich und kalt,
Und auf dem Friedhof ruhen sanft – so hoffen wir – die Leichen,
Dann lauscht und hört die leisen Schritte langsam näher schleichen.
Ach, betet, dass euch nie berühren Nabuss Krallen!
Das Grauen auf der Sommerresidenz der Gaidor
Ein Drama in einem Akt
Personen
Clavides, Hauptmann der Potentatswache
Anara, eine Dienstmagd, Tuskin
Ullis, ein Leutnant der Potentatsgarde
Zollassa, eine junge Magierin der Magiergilde, Crox
Später Abend. Das Drama beginnt in der inneren großen Eingangshalle eines Schlosses in Mileas Süden, nahe Malae, ausgestattet mit edlen Einrichtungsgegenständen und Gobelins. Fackeln sorgen für die einzige Beleuchtung. In der Mitte des Foyers befindet sich eine große Eisentür, der Haupteingang des Schlosses. Die Treppe zur Galerie darüber befindet sich neben dieser Tür. Am linken Bühnenrand liegt die Tür zur Bibliothek, die zur Zeit geschlossen ist. Am rechten Bühnenrand befindet sich eine riesige Rüstung, sechs Meter hoch und fast bis zur Decke reichend. Trotzdem niemand zu sehen ist, kann das Singen einer Frau hinter der Bibliothekstür vernommen werden.
Ein lautes Klopfen an der eisernen Vordertür lässt die Frau in ihrem Gesang innehalten. Die Tür zur Bibliothek öffnet sich, und ANARA, eine gewöhnlich aussehende Dienstmagd, tritt heraus und beeilt sich, die Vordertür zu öffnen. CLAVIDES, ein gut aussehender Mann in Gardisten Tracht steht dort.
ANARA: Guten Abend, Serjo.
CLAVIDES: Guten Abend. Ist Euer Herr daheim?
ANARA: Nein, Serjo, nur ich bin hier. Mein Herr, Sedura Hordalf Gaidor, befindet sich auf seinem Wintersitz. Kann ich irgendetwas für Euch tun?
CLAVIDES: Möglicherweise. Störe ich?
ANARA: Nicht im Geringsten, Serjo. Bitte, darf ich Euch etwas Met anbieten?
Clavides betritt die Halle und schaut sich um.
CLAVIDES: Nein, danke. Wie heißt Ihr?
ANARA: Anara, Serjo.
CLAVIDES: Anara, wann ist Euer Herr abgereist?
ANARA: Vor mehr als vierzehn Tagen. Darum bin nur ich hier im Schloss, Serjo. Alle anderen Angestellten und Sklaven, die seiner Durchlaucht dienen, sind mit ihm gereist. Ist etwas nicht in Ordnung?
CLAVIDES: Völlig richtig. Kennt Ihr jemanden namens Kharifa?
ANARA: Nein, Serjo. Ich kenne niemanden, der so heißt.
CLAVIDES: Ihr werdet ihn auch nicht mehr kennen lernen. Er ist tot. Er ist vor wenigen Tagen in der Wüste Anbar gefunden worden, an Erfrierung sterbend. Er war hysterisch, beinahe unverständlich, aber er erwähnte noch ‚Schloss‘ und ‚Hordalf‘.
ANARA: An Erfrierung sterbend im Sommer in der Wüste? B‘vek, das ist sonderbar. Ich denke, es ist möglich, dass mein Herr diesen Mann kannte. Aber ein Bewohner der Wüste und mein Herr aus dem Fürstenhaus Gaidor, nun, verzeiht mir, wenn ich respektlos bin, Serjo, aber ich bezweifle, dass sie Freunde gewesen sein könnten.
CLAVIDES: Ist das die Bibliothek Eures Herrn?
ANARA: Bitte, Serjo, fühlt Euch wie zu Hause. Wir haben nichts zu verbergen. Wir sind getreue Untertanen des Potentaten.
CLAVIDES: Wie ich hörte, sind das alle Gaidor.
(Anmerkung des Autors: Diese Zeile sollte ohne Sarkasmus gesprochen werden. Vertraut darauf, dass das Publikum lachen wird – es schlägt niemals fehl, ungeachtet der einheimischen Politik.)
Clavides betritt die Bibliothek und schaut flüchtig über die Bücher.
CLAVIDES: In der Bibliothek müsste Staub gewischt werden.
ANARA: Ja, Serjo. Ich war gerade dabei, als Ihr an die Tür klopftet.
CLAVIDES: Dafür bin ich dankbar. Wenn Ihr schon fertig geworden wäret, hätte ich die Lücke im Staub nicht bemerkt, in der ein ziemlich großes Buch erst kürzlich noch gestanden hat. Es scheint, dass Euer Herr ein Zauberer ist.
ANARA: Nein, Serjo. Ich meine, er studiert viel, aber spricht keine Zauber, wenn es das ist, was Ihr mit Zauberer meint. Er ist ein Adliger, ging auf die Akademie und alles. Wisst Ihr, jetzt, da ich darüber nachdenke, fällt mir ein, was mit jenem Buch passiert ist. Einer der anderen Studenten von der Akademie Anbar war gestern hier und lieh sich einige Bücher aus. Er ist ein Freund meines Herrn, also dachte ich, das würde in Ordnung gehen.
CLAVIDES: Dieser Student, war sein Name Warvim?
ANARA: Könnte sein. Ich erinnere mich nicht.
CLAVIDES: Auf der Akademie gibt es einen verdächtigen Totenbeschwörer namens Kena Warvim, den wir letzte Nacht verhaftet haben. Wir wissen nicht, was er an der Akademie gemacht hat, aber es ist sicher, dass es etwas Ungesetzliches war. War das der Kena, der sich die Bücher geliehen hat? Ein kleiner Zeitgenosse mit einem verkrüppelten Bein?
ANARA: Nein, Serjo, das war nicht der Kena von gestern. Er war ein großer Kerl, der laufen konnte. Das habe ich bemerkt.
CLAVIDES: Ich werde mich ein wenig im restlichen Haus umsehen, wenn es Euch nichts ausmacht.
Clavides geht die Treppe hinauf und spricht den folgenden Dialog von der Galerie und den oberen Räumen aus. Anara setzt die Säuberung des Erdgeschosses fort und schiebt eine Bank mit hoher Rückenlehne vor die Rüstung, um den Boden zu scheuern.
ANARA: Serjo, darf ich fragen, wonach Ihr sucht? Vielleicht kann ich helfen.
CLAVIDES: Sind dies alle Räume des Schlosses? Keine Geheimgänge?
ANARA (lachend): Oh, Serjo, was sollte Sedura Hordalf Gaidor mit Geheimgängen anfangen?
CLAVIDES (auf die Rüstung schauend): Euer Herr ist ein großer Mann.
ANARA (lachend): Oh, Serjo, verspottet mich nicht. Das ist die Rüstung eines Riesen, nur zur Dekoration. Mein Herr tötete diesen Riesen vor zehn Jahren und behält die Rüstung als eine Art Andenken.
CLAVIDES: Richtig, ich erinnere mich, dass ich davon hörte, als ich meine Stellung hier annahm. Jemand mit Namen Gaidor tötete den Riesen, aber ich wusste nicht, dass der Vorname Hordalf war. Erinnerungen verblassen, fürchte ich. Wie hieß der Riese?
ANARA: Ich fürchte, ich erinnere mich nicht, Serjo.
CLAVIDES: Aber ich. Er hieß Felsenhauer. „Ich trat aus Felsenhauers Schild heraus.“
ANARA: Ich verstehe nicht, Serjo. Felsenhauers Schild?
Clavides rennt die Stufen hinunter und untersucht die Rüstung.
CLAVIDES: Kharifa sagte etwas darüber, wie er aus Felsenhauers Schild herauskam. Ich dachte, er würde fantasieren, den Verstand verlieren.
ANARA: Aber er hat gar kein Schild, Serjo.
Clavides schiebt die Bank mit der hohen Rückenlehne aus dem Weg und enthüllt damit den großen Schild, der am Sockel der Rüstung befestigt ist.
CLAVIDES: Doch, hat er. Ihr habt ihn mit dieser Bank verdeckt.
ANARA: Das habe ich doch nicht absichtlich getan, Serjo! Ich habe doch nur geputzt! Ich sehe diese Rüstung jeden Tag, Serjo, und b‘vek, ich schwöre, ich habe niemals nie zuvor den Schild bemerkt!
CLAVIDES: Ist schon recht, Anara, ich glaube Euch.
Clavides drückt auf den Schild und er weicht zurück und enthüllt einen Gang nach unten.
CLAVIDES: Es scheint, als ob Sedura Hordalf Gaidor doch Verwendung für einen Geheimgang hat. Könntet Ihr mir eine Fackel bringen?
ANARA: B‘vek, ich habe das niemals nie zuvor gesehen!
Anara nimmt eine Fackel von der Wand und gibt sie Clavides. Clavides betritt den Gang.
CLAVIDES: Wartet hier.
Anara beobachtet, wie Clavides den Gang hinunter verschwindet. Sie scheint unruhig zu sein und läuft schließlich zur Vordertür. Als sie sie öffnet, steht ULLIS, ein Leutnant der Potentats Wache, im Eingang Sie schreit.
ULLIS: Es tut mir leid, dass ich Euch erschreckt habe.
ANARA: Nicht jetzt! Geht weg!
ULLIS: Ich fürchte, der Hauptmann würde das nicht gutheißen, mein Fräulein.
ANARA: Ihr gehört … zum Hauptmann? Heilige Mutter.
Clavides kommt kreidebleich aus dem Gang. Er braucht einen Moment, bevor er sprechen kann.
ULLIS: Hauptmann? Was ist dort unten?
CLAVIDES (zu Anara): Wusstet Ihr, dass Euer Herr ein Totenbeschwörer ist? Dass Euer Keller voller Leichen ist?
Anara fällt in Ohnmacht. Ullis trägt sie zur Bank und legt sie nieder.
ULLIS: Lasst mich sehen, Serjo.
CLAVIDES: Ihr werdet es noch früh genug sehen. Wir werden hier jeden Soldaten der Garnison benötigen, um all diese Leichen fort zu karren. Ullis, ich habe genug Schlachten gesehen, aber ich habe niemals etwas wie das hier gesehen. Es gibt keine zwei, die sich ähnlich sind. Lebendig verbrannt, vergiftet, elektrisiert, geschmolzen, auseinander gerissen, das Innere nach außen gekrempelt, in Fetzen gerissen und wieder zusammen genäht.
ULLIS: Denkt Ihr, der Tuske ist entkommen? Ist es das, was passiert ist?
CLAVIDES: Ich weiß es nicht. Warum sollte jemand etwas derartiges tun, Ullis?
Ein Klopfen an der Tür ist zu hören. Clavides öffnet sie. Eine junge Crox, ZOLLASSA, steht dort und hält einen Brief und ein Paket in den Händen.
ZOLLASSA: Guten Morgen. Ihr seid nicht Fürst Gaidor, oder doch?
CLAVIDES: Nein. Was habt ihr da?
ZOLLASSA: Einen Brief und ein Paket, die ich ihm übergeben soll. Wird er in Kürze zurück sein?
CLAVIDES: Das glaube ich nicht. Wer gab Euch das Paket?
ZOLLASSA: Mein Lehrer an der Akademie, Kena Warvim. Er hat ein schlimmes Bein, also bat er mich, diese Sachen zu seiner Durchlaucht zu bringen. Um Euch die Wahrheit zu sagen, ich hätte sie eigentlich schon gestern Nacht hier abgeben sollen, aber ich war beschäftigt.
ULLIS: Seid gegrüßt. Wir werden das Paket seiner Durchlaucht übergeben, wenn wir ihn sehen.
ZOLLASSA: Ah, seid gegrüßt. Leider versprach ich Kena Warvim, dass ich das Paket direkt in die Hände seiner Durchlaucht geben werde. Ich habe mich schon verspätet, ich kann nicht …
CLAVIDES: Wir sind Potentats Wachen, Fräulein. Wir werden den Brief und das Paket an uns nehmen.
Zollassa übergibt Brief und Paket widerstrebend Clavides. Sie dreht sich um, zu gehen.
ULLIS: Ihr seid in der Akademie Anbar, falls wir Euch aufsuchen müssen?
ZOLLASSA: Ja. Gehabt Euch wohl,
ULLIS: Gute Nacht.
Clavides öffnet das Paket, während Zollassa den Schauplatz verlässt. Es ist ein Buch mit vielen losen Blättern.
CLAVIDES: Scheinbar haben wir das verschollene Buch gefunden. Direkt in unsere Hände übergeben.
Clavides beginnt, das Buch stumm zu lesen.
Während er liest, öffnet Ullis den Brief und liest ihn.
Ullis liest weiter, gebannt von dem Brief. Clavides blättert zum Endes des Buchs und liest die letzten Sätze.
CLAVIDES (liest vor) In schwarzer Tinte ?Der männliche Katzenmensch zeigte erstaunlich wenig Widerstandskraft gegen einen einfachen Blitzzauber. Aber ich erzielte interessante physiologische Ergebnisse mit einem mittelstarken Säurezauber, den ich langsam über mehrere Tage sprach.“ In roter Tinte am Rand: ?Ja, ich verstehe. Wurde der Säurezauber einheitlich über den ganzen Körper der Versuchsperson gesprochen?“ In schwarzer Tinte ?Die Tuskin wurde sechzehn Stunden lang einem Frostzauber ausgesetzt, der sie schließlich in einen Zustand vorübergehenden Atemstillstands kristallisierte, an dem sie letztendlich starb. Nicht so der männliche Crox oder der männliche Tuske, die viel früher in ein Koma verfielen, sich dann aber wieder erholten. Der Tuske versuchte daraufhin zu fliehen, aber ich bändigte ihn. Der Crox zeigte dann eine interessante chemische Überreaktion auf einen einfachen Feuerzauber und verstarb. Beachtet hierzu die beiliegende Abbildung.“ In roter Tinte, ?Ja, ich verstehe. Das Muster der Wunden und Geschwülste lässt auf eine Art innere Verbrennung schließen, möglicherweise hervorgerufen durch die Kombination einer kurzen Stichflamme nach einer längeren Behandlung mit Frost. Es ist eine solche Schande, dass ich nicht kommen kann, um mir das Experiment persönlich anzusehen. Aber ich beglückwünsche Euch zu Eurer ausgezeichneten Aufzeichnung.“ In schwarzer Tinte, ?Ich danke Euch für Euren Vorschlag, meine Dienstmagd Anara langsam zu vergiften. Die Dosierung, die ihr vorgeschlagen habt, bewirkte faszinierende Ergebnisse, wäscht ihr Gedächtnis auf subtile Weise aus. Ich beabsichtige, die Dosis exponentiell zu erhöhen und dann zu beobachten, wie lange es dauert, bis sie es bemerkt. Wo ich gerade davon spreche: Es ist schade, dass ich keine Crox als Versuchspersonen hatte. Aber der Sklavenhändler versprach mir einige gesunde Exemplare für den Herbst. Ich würde gerne ihren Stoffwechsel testen und mit dem von Elfen und Menschen vergleichen. Meine Theorie ist, dass ein mittelstarker Blitzzauber, gesprochen in einer andauernden Welle, für einen Crox für wenigsten mehrere Stunden nicht tödlich ist. Ähnlich wie meine Ergebnisse mit der menschlichen Frau und natürlich dem Riesen.“ In roter Tinte, ?Es wäre eine Schande, bis zum Herbst darauf zu warten.“
ULLIS (den Brief vorlesend): In roter Tinte, ?Hier ist Eure Versuchsperson aus den Sümpfen am Westlichen Strom. Bitte teilt mir Eure Ergebnisse mit.“ Er ist mit ?Kena Warvim“ unterzeichnet.
CLAVIDES: Bei Sshamsh, das ist keine Totenbeschwörung. Das ist Zerstörung. Kena Warvim und Hordalf Gaidor haben nicht mit dem Tod experimentiert, sondern mit den Grenzen magischer Folterungen.
ULLIS: Der Brief ist nicht an Hordalf Gaidor adressiert. Er ist adressiert an Sedura Iachilla Gaidor. Glaubt Ihr, dass das seine Gattin ist?
CLAVIDES: Iachilla. Sie war der Zauberer aus der Gaidor-Familie, über den ich im Zusammenhang mit der Tötung des Riesen gehört habe. Wir sollten am besten die Dienstmagd hier herausbringen. Sie braucht einen Heiler.
Clavides weckt Anara auf. Sie scheint verwirrt zu sein.
ANARA: Was ist geschehen? Wer seid Ihr?
CLAVIDES: Sorgt Euch nicht, alles wird wieder gut werden. Wir werden Euch zu einem Heiler bringen.
ULLIS: Braucht Ihr einen Mantel, Iachilla?
ANARA: Danke, nein, mir ist nicht kalt …
Anara/Iachilla bleibt stehen, da sie erkennt, dass sie entdeckt wurde. Clavides und Ullis ziehen ihre Schwerter.
CLAVIDES: Ihr habt schwarze Tinte an den Fingern, Eure Durchlaucht.
ULLIS: Und als ihr mich an der Tür gesehen hattet, dachtet Ihr, dass ich die Versuchsperson bin, den Euer Freund Warvim Euch sandte. Deshalb sagtet Ihr: ?Nicht jetzt. Geht weg.“
ANARA/IACHILLA: Ihr seid viel aufmerksamer als Anara. Sie hat nie verstanden, was vor sich ging. Selbst als ich den Giftzauber verdreifachte und sie in beachtliche Todesqualen verfiel.
ULLIS: Was wolltet Ihr zuerst an mir testen? Blitz oder Feuer?
ANARA/IACHILLA: Blitz. Ich finde Feuer zu unberechenbar.
Während sie spricht, erlöschen die Flammen der Fackeln. Die Bühne ist vollkommen dunkel.
Kampfgeräusche und das Klirren von Schwertern sind zu hören. Plötzlich leuchtet ein Blitzstrahl auf, danach herrscht nur noch Stille. Aus der Dunkelheit spricht Anara/Iachilla.
ANARA/IACHILLA: Faszinierend.
Während der Vorhang fällt, sind weitere Blitzstrahlen zu sehen.
ENDE.
Potentat Jornibrets letzter Tanz
(Gesangsstück im Norden Mileas)
(Traditionelle Weise)
Strophe der Frauen I:
Zur Winterszeit, das ist bekannt,
Es sei denn, es herrscht Armut im Land,
Laden die Potentaten von Milea
Ein jedes Jahr den Adel zum Ball.
Der erste Mann im Saal ist stets
Aus Girdan Fürst Ogin Jornibret,
Ein schöner Mann ist er fürwahr,
Der Fluch der schönen Damenschar.
Refrain der Frauen:
Ach, liebe Damen, seid so gut
Seid vor dem Fürsten auf der Hut.
Nehmt Ihr zum Tanze seine Hand,
Voll Hoffnung auf der Liebe Band,
Ereilt der Fluch Euch voll und ganz:
Der erste ist der letzte Tanz.
Strophe der Männer I:
Unter den Gästen ehrenwert
Weiß jeder, wo er hingehört.
Rufen die Potentaten
Mit Trompeten die Gäste in den Saal,
So stellt sich auf die Tänzerschar
Ganz so, wie es schon immer war:
Die Damen tanzen erst allein,
Können vor Jornibret sicher sein.
Refrain der Männer:
Oh, liebe Freunde, saget an.
Erklärt, wie dies geschehen kann.
Der Mann lässt schon seit langen Jahren
Die Hoffnungen der Schönen fahren
Bevor noch erlosch des Festes Glanz:
Der erste ist der letzte Tanz.
Strophe der Frauen II:
Potentat Ogin Jornibret von Girdan
Genoss den Tanz der Damen sehr,
Der Schönsten aus dem ganzen Land.
Im Bärenhelm ein Bursche stand:
‚Die Potentaten Mileas
Lassen uns wirklich die Qual der Wahl.
Welche der Schönen ist Eure, Mylord?‘
Potentat Jornibret deutete: ‚Jene dort.
Seht nur ihren Busen beben,
Der werd‘ ich heute Herzeleid geben.‘
Refrain der Frauen.
Strophe der Männer II:
Der Mann mit dem Helm aus Bärenfell
Verschwand vor Tanzesende schnell.
Und die Potentaten Mileas
Riefen nun auch die Herren zum Ball.
Alle anderen verachtend, ging Ogin im Nu
Auf die Maid mit dem wogenden Busen zu.
Doch sie ward übergangen, bewahrt vor Weh,
Zugunsten einer Neuen, so weiß wie Schnee.
Refrain der Männer.
Strophe der Frauen III:
Die Schöne nahm des Potentaten Hand,
Kaum dass der erste Ton erklang.
Von der Potentatin
Erzählt das Lied, zu dem sie tanzten im Saal.
Nicht leicht ist’s, anmutig zu tanzen
Mit Lederrüstung und Kettenpanzer,
Doch sie schwebten wie in Träumerei,
Es knirschte kein Scharnier dabei.
Refrain der Frauen.
Strophe der Männer III:
Er folgte dem Takt mit Leichtigkeit,
Der beste Tänzer weit und breit.
Selbst die Potentatin
Bewunderten Ogins Anmut beim Ball.
Die Schöne flüsterte: ‚Nie sah ich
Jemand tanzen so leicht in der Rüstung Gewicht.
‚Zu schade nur, dass er schon wusste,
Dass er ihr sehr bald weh tun musste.
Refrain der Männer.
Strophe der Frauen IV:
Doch vorher will Potentat Jornibret
Noch wissen, wo die Maid versteckt,
Als dann die Potentatin
Rief die Damen auf zum Ball: ‚Ich sah dich nicht beim Tanze, gewiss.‘
Sie lächelt: ‚Mein Kleid hatte einen Riss,
Und während die Zofen flickten es schnell,
Trug ich einen Helm aus Bärenfell.‘
Refrain der Frauen.
Das Geheimnis des Weges des Sshamsh
Ich kann nicht in die Zukunft sehen,
noch kann ich zurück gehen in die Vergangenheit,
ich kann mich nur auf das konzentrieren, was gerade passiert.
Ein uralter Menschheitstraum,
unvorstellbare Schätze anzuhäufen, göttliche gar,
doch keiner hat das bisher geschafft.
Aber nichts ist unkaufbar, wenn du es wirklich willst.
Mittel und Wege, über unser Können zu leisten.
Ich drehe mich im Kreis,
wartend darauf,
dass das Unmögliche geschieht,
das Geheimnis zu lüften, Sshmash nahe zu sein.
Gerüche werden zu Goldspiralen,
Gefühle werden springende Münze,
ich sehe ein Meer aus Münzen und Kristallen,
Nebelschwaden tanzen auf ihrer Oberfläche,
und werfen schweigende Schatten des Diebes!
Mondprinz (über das Gestirn des Mondes)
Des Nachts erstrahlt er hell und klar
Ein Kind des Universums er war
Verstossen von allen anderen
Weil seine Gedanken nur um sie wanderten
Sie war ein Tabu für ihn
Doch verdrehte sie ihm Herz und Sinn
Unschuldig sie dies tat
Um Hilfe sie ihn bat
Ihre Augen seltsam schön
Lassen ihn die Wahrheit sehn
Ihre Lippen sprechen Worte zart
Er von ihr geborgen ward
Er hörte zu wenn sie zu ihm sang
Nichts für ihn je schöner klang
Eine schwarze Priesterin sie war
Ihm angetraut Jahr für Jahr
Er der Mondprinz unerreicht
Sie die Dienerin die nie vom alten Glauben weicht
Viele hat er gesehen
Doch bei ihr wars um ihn geschen
Alles was sie tat voller Leidenschaft
Wenn er voll erstrahlte war sie voller Kraft
Oft sah sie zu ihm empor
Er konnte sehn was ihre Seele schwor
Er schon so alt und fahl
Sie so schön wie ein Sonnenstrahl
Er wollte ein Geschenk ihr machen
Und liess ihr Herz für einen Jüngling entfachen
Kein gewöhnlicher Mensch der junge Mann
Zieht die stolze sofort in seinen Bann
In seinen Augen glimmt die Glut
Sein Herz ist voller Kraft und Mut
Hell erstrahlt das Sternenmeer
Sie gefällt dem Mondprinzen so sehr
Doch kann dieser nie fort von seinem Platz
Drum sendet er ihr diesen Schatz
Ein Ebenbild seiner der Jüngling ist
So griff er denn zu dieser List
Um mit ihr auf Erden
Gemeinsam alt und glücklich zu werden
Als er so vor ihr stand
In seinem edlen schwarzen Gewand
Seine Haut so hell wie Mondschein
Die Locken fallen so schwarz und seidenfein
Durchdringende Augen so strahlend wie Smaragd
Warme Lippen so fein und zart
Galant und höflich seiner Worte Wahl
Niemals wird sie wissen, dass der Mondprinz ihre Seele stahl
Sie liess ihn im Glauben ihn nicht zu kennen
Wußte sie, dass er ihr Seelengefährte ist ohne seinen Namen zu nennen
Ihre Seele mit der seinen verschmolz
Seine Liebe stark und stolz
Amandus der Sänger Nymerias von Milea
Amandus der Sänger Mileas
war der Gefühle Fänger.
Er zog durch das Land
und die Dinge die er fand,
auszusprechen nie jemand wagte.
Doch die heimliche Stimme klagte
schrie leise und weinte,
bis ein vager Verdacht aufkeimte.
Weite Reise, Fluss der Zeit
die Brücke des Schicksals ist
schmal und doch breit.
Stunde um Stunde, Tag und Nacht
der Noten Klang erst leise und sacht
hat den Menschen ihren Frieden gebracht.
Der Noten Klang anmutig und süß
wurde von ihnen mit Liebe begrüßt.
Der bittere Ton aber der wahren Geschicht
sie nicht wagten zu sehen auf seinem Gesicht.
Amandus der Sänger
war der Gefühle Fänger.
Geliebt, gehasst, erwünscht, verflucht
hat er oft den Tod gesucht.
Sah die Gefahr, wich niemals aus
so hielt er die Wahrheit mit eiserner Faust.
Sie erkennen zu lassen ihr eigenes Wesen
den Schmutz auszukehren mit seinem Besen.
Sie sehen zu lassen die dunklen Tiefen
zu hören die inneren Stimmen, die sie riefen.
In Milea, Jahr um Jahr zu Zeiten Nymerias
zu finden die Lösung, die ist nur wahr
zu lösen das Geheimnis ums Herz der Menschen
nicht zulassen jemanden das Ergebnis zu fälschen.
Bald schrill, bald sanft, bald nimmermehr
der Noten Töne sie aber störten sehr.
Fanden ihn schlafend in dunkler Nacht
und nur der Sensenmann hielt seine Wacht.
Kein Grab für den Sänger, der die Wahrheit wusste
und nur aus diesem Grunde sterben musste.
Dämonen kehren heim
Dämonen kehren heim
aus grellen ungeliebten Sonnen
in ihre schwarze kalte Nacht.
Seelen driften
haltlos, lautlos, schwerelos
in ihrem unheilvollen Sog.
Äonennebel
weben gnädig Schleier
zu verbergen
was dem Blick zum Wahn gereicht.
Das Universum
weigert sich zu sehen
und weint um den Verlust.
Wer könnte es ertragen,
dieses dunkle, schwarze Werden
das selbst die Schöpfung stöhnen läßt.
Dämonen kehren heim
und bleiche Sonnen wandeln bis in Ewigkeit
der Seelen Pein in starres Eis.
Drachen-Erinnerungen (über das Sternzeichen des Drachen)
Feuriger Odem brachte Vernichtung und Tod,
ich wurde gerufen gegen Menschengebot.
Sehr weit kam ich her, aus blutigem Land,
begleitete Krieger aus Feuer gebrannt.
Sie wurden geschaffen der Seele bar
Leid und Verwüstung ihr Auftrag war.
Ein Blick von ihnen, und nichts mehr zählt
wenn, dir Mensch, sich das Leben vom Körper schält.
Mein Feuer ist von der gleichen Art
durchdringt Stein wie Seele, höllengepaart.
Die Schuppen so schwarz wie Obsidian
gepanzertes Wesen, so flieg ich voran.
Klauenbewehrt, die Krallen dolchlang,
Mensch, hab nur acht, dein Niedergang!
Wir kamen in euer blühendes Land
und haben die Erde zu Asche verbrannt.
Wir schlugen die Schlachten mit Höllenkraft
vergossen Blut wie wertlosen Saft.
Mein Herz war aus Stein, trieb Kämpfe voran,
doch eines Tages geschah es dann.
Im Schlachtengetümmel flog voraus ich ein Stück
zu erhalten von oben den Überblick.
Ein See war es, der mir ins Blickfeld kam,
so friedlich und still, zog mich magisch an
Am Ufer saß ruhig eine zierliche Maid,
ihr Umriß weckte Vergangenheit.
Äonen von Jahren zogen vorbei
Gedanken schwirrten in Kreiseln herbei.
Einst gab es einmal ein treues Wesen,
das hatte mein Herz mit Liebe genesen.
Vergang`ne Gefühle brachen sich Bahn
Ich setzte flügelrauschend zur Landung an.
Die Maid sah mir entgegen mit klarem Blick,
sie wich nicht zurück, nicht einen Schritt.
Wie lieblich schön das Mädchen war!
von zarter Gestalt und flammenden Haar.
Dies glühte wie Feuer im Sonnenlicht,
Ich verneigte mich leicht, Anstandspflicht!
Sie trug ein einfaches Bauerngewand
bar jeden Zierrats und unnötigen Tand.
Die Haltung jedoch war königlich
dann wandte sie ihr Wort an mich.
Die Stimme war rein, so hell und so klar,
ich gestehe, dass ich gefangen war.
Sie sagte: „Hör, Drache, ich kenne dich
du brachtest uns Leid, nun töte mich.
All die, die ich liebte, sind lange tot,
erlöse mich von meiner Not.
Nur um eins möchte ich bitten dich,
mach schnell, ich werde nicht weigern mich.“
Ihre Worte schnitten mir gar ins Herz
brachten hervor den uralten Schmerz.
Sie sank auf die Knie, den Kopf gesenkt,
ich habe ihr das Leben geschenkt.
Doch leider war dieses Geschenk verflucht,
denn sie hatte ja den Tod schon gesucht.
Nun stand ich vor ihr mit grausiger Macht
und hab doch nur wieder Leiden gebracht.
Ich spreizte die Klauen, sie erwartet den Hieb
Doch alles, für was ich noch fähig blieb
war zärtlich über ihr Antlitz zu streichen
die einzelne Träne dort zu erreichen,
die unaufhaltsam nach unten rann,
der Drache war in des Weibes Bann.
Die Träne blieb an der Kralle hängen
dieser Tropfen konnte Welten sprengen.
Ein Sonnenstrahl brach sich darin
gänzlich war meine Fassung dahin.
Mit all meiner uralten Drachenkraft
hab ich daraus einen Diamant gemacht.
Den gab ich ihr, und damit mein Herz,
jedoch es linderte keinen Schmerz.
Sie sah mich an mit verschleierten Augen,
würde nie wieder an etwas Gutes glauben.
Ich sah sie lange noch an, dann flog ich heim,
ich musste nun ganz alleine sein.
Gepanzerte Brust, doch ich spürte mein Herz,
und wieder diesen uralten Schmerz.
Mensch, sei versichert, ich schwöre es heut
ich habe all meine Taten bereut.
Ihr werdet mich niemals wiedersehen
ich werde zum Sternbild des Drachen gehen.
In der Kristallmeerbucht
Die treuen Berg stehn auf der Wacht:
»Wer streicht bei stiller Morgenzeit
Da aus der Fremde durch die Heid?« -
Ich aber mir die Berg betracht
Und lach in mich vor großer Lust,
Und rufe recht aus frischer Brust
Parol und Feldgeschrei sogleich:
Vivat Milea!
Da kennt mich erst die ganze Rund,
Nun grüßen Bach und Vöglein zart
Und Wälder rings nach Landesart,
Die Stronschee See blitzt aus tiefem Grund,
Der Golan auch ganz von fern
Guckt übern Berg und säh mich gern,
Und ist ers nicht, so kommt er doch gleich,
Vivat Milea!
Die wundersame Reise
oder
Die güldene Krone
Ein beliebtes Lustspiel in den südlichen Städten Mileas
Ein Theaterstück in einem Aufwasch
Personen:
Teeleste, eine Reisende aus Kanozien
Karnigel, ihre Begleiterin
König Mager, König von Tuckenwonien
Aspirin, ein beschworener Dämon
Baron Fifi, renitenter Adliger aus Kanozien
Knappe Lülü, sein Schatten
Hauptmann Tangatier, Anführer einer Söldnereinheit
Graf Knie, Adeliger aus Kanozien
Marktfrauen, Laienschauspieler für Sterbeszenen
Die drei Neffen, Knappen von Graf Knie
Einige unwichtige Dämonenanbeter vom Kult der Bananis, der Stein des Anstoßes
Vorspiel:
Irgendwo in den Wäldern von Tuckenwonien
Auf einer Waldlichtung haben sich einige Bananis versammelt um ihren dunklen Umtrieben nachzukommen.
Bananis:
„Oh Aspirin, Großmächtigster der dunklen Wesenheiten im finsteren Schmeißfliegenhain. Erhöre uns und komm in unsere Mitte, wir bieten Dir Diabolus einen Weg in diese Welt, auf dass Du Fürst des Finsteren hier Deine Macht unter Beweis stellen kannst.“
Sie laufen um den Ritualplatz herum und rufen immer wieder.
Bananis:
„Erscheine Aspirin, erscheine!!“
Es gibt einen Knall und Aspirin steht im Wald, die Bananis wollen ihn zur Stadt bringen.
1. Bild:
Eine Wiese in Kanozien
Teeleste unterhält sich mit ihrer Hofdame.
Teeleste:
„Oh welch wunderbarer Tag, wie freundlich gleißt der Sonne Strahl.
Wohlan so deucht mir eine Ausflug ins nahe Tuckenwonien wäre die rechte Kurzweil heut.
Karnigel, sorgt dafür dass die Pferde gesattelt werden. Wir brechen in Bälde auf.“
Karnigel:
„Ganz wie ihr beliebt.“
Im Weggehen brabbelt sie einige Worte, die ihre Begeisterung ausdrücken.
2. Bild:
Am Waldrand auf der Straße zur Hauptstadt von Tuckenwonien
Mit Donner und Rauch erscheint Aspirin.
Aspirin:
„Hahahahaha!!
So, König Mager, nun magst du eifrig suchen nach diesem Kleinod“
Er zeigt die Krone.
Aspirin:
„Wahrlich kühn hast du darum gestritten, unter vielen Recken warst du es, der letztlich von zarter Frauenhand die Krone aufs Haupt gedrückt bekam.
So ist es mit den starken Männern, ohne starke Frauen wüssten sie sich nicht in Position zu bringen. Außer beim Kämpfen …… vielleicht.“
Er grübelt ein bißchen.
Aspirin:
„Und nun ist sie mein, nun bin ich im Besitz der Krone. Und ist die Krone nicht das Land. harharhar
Doch was ist das? Es kommen Leute…….. wohl besser ich verberge mich.“
Aspirin versteckt sich.
Baron Fifi, sein Knappe Lülü und Hauptmann Tangatier erscheinen auf dem Weg.
Fifi:
„Dies Land ist von Dunkelheit heimgesucht, gar Übles mag unseren Weg kreuzen. In einer Vision wurde mir der Weg hierher gewiesen. Weit ab von der Heimat warten Ruhm und Ehre…. Lenor will es.“
Lülü:
„So sei es euer Hochwohlgeboren, solange Lenor mit uns ist können wir auch schadlos durch die Lande von Schmeißfliegenhain wandeln und dort in seinem Namen das Licht bringen.“
Tangatier:
„Gewißlich, und die rostrote Truppe wird sich stets zu eurer Unterstützung bereit halten und hinter euch stehen.“
Sie ziehen weiter in Richtung Stadt.
Nach einiger Zeit kommen einige Marktfrauen den selben Weg und tratschen über die neusten Dorfgeschichten während auch sie weiter in Richtung Stadt ziehen.
Teeleste und Karnigel kommen die Straße hinauf zur Stadt geritten.
Teeleste:
„Oh wie zauberhaft ist dieser Wald, wie lieblich klingt der Vögel Sang.“
Karnigel:
„Die räuberischen Übergriffe sind wohl schon vergessen? Wenn ich nur daran denke wie dieses Hammer schwingende Schmiedeweib euch entgegenstellte. Noch bei dem Gedanken daran läuft es mir eiskalt den Rücken hinab.“
Teeleste:
„Oh Karnigel, wie könnt ihr diesen unbedeutenden Zwischenfällen nur so viel Gewicht beimessen. Wo dieses Land durch so viel Schönheit alles wieder wett macht.“
Karnigel:
„Wie ihr es auch betrachten wollt, so sind es doch diese Zwischenfälle sehr zahlreich in diesem Lande. Wir sollten auf der Hut sein sonst könnten wir noch in den Ruf gelangen die Krone des Königs in unseren Satteltaschen zu verstecken.“
Teeleste:
„Oh ja , der arme König, sicher grämt er sich arg ob des Verlustes.“
Aspirin (in seinem Versteck):
„Ei freilich, Kopfschmerzen soll er kriegen vom Nachdenken.“
Teeleste:
„Sieh dort erhebt sich eine prächtige Stadt, dort wird man uns freundlich aufnehmen. Welch Neuigkeiten werden wir wohl zu Gehör bekommen.“
Karnigel:
„Eine Stadt in der Tat, ein wenig Zivilisation in diesem Land, nun wir werden sehen.“
Sie verschwinden in Richtung Stadt.
Graf Knie und seine Neffen erscheinen.
Knie:
„So sputet euch Jungs, es erfreut mich ja dass ihr im Fähnlein Fuchsschwanz so viel über die Pflanzen und Tiere des Waldes gelernt habt, doch sollten wir uns eilen, die Stadt noch vor der Mittagsstunde zu erreichen.
Der König ist ein alter Bekannter, er wird sich gewißlich freuen mich wieder zu sehen.“
Neffe 1:
„Onkel, mit Verlaub,“
Neffe 2:
„sollten wir nicht“
Neffe 3:
„vorgehen, um“
Neffe 1:
„Dein Kommen beim König“
Neffe 2:
„zu melden?“
Alle drei:
„Wir sind schon auf dem Weg Onkel.“
Knie:
„Gut, gut nun eilt euch, lauft voraus in das Wirtshaus und legt mein knieblaues Staatsgewand bereit.“
Alle drei:
„Wir eilen eilen eilen und dürfen nicht verweilen.“
Sie eilen davon.
Knie:
„Oh diese Kinder, manchmal ist es eine wahrhafte Bürde sie angemessen auszubilden und im Zaum zu halten.“
Er verschwindet ebenfalls in Richtung Stadt.
Aspirin:
„Potz Blitz und Donner, so viel fremdes Volk in der Stadt, nun der Aufenthalt soll euch unvergesslich sein.“
3. Bild:
Der Thronsaal von König Mager
Der König empfängt Graf Knie mit bitterer Mine und winkt seinen alten Streitgenossen zu sich heran. Der Graf kniet sich neben den König und hält sein Ohr dicht an dessen Mund.
Knie:
„Mein guter Freund, sag an was grämt Dich so?“
Der König, kaum fähig sein Unglück in Worte zu fassen,berichtet von dem schrecklichen Geschehen.
Knie:
„Verzweifle nicht, ich werde Dir beistehen in dieser wahrlich schweren Zeit.“
Neffe 1:
„Onkel, mit Verlaub,“
Neffe 2:
„wir sahen hier in dieser Stadt“
Neffe 3:
„Baron Fifi, den Stolz Kanoziens.“
Neffe 1:
„Er ist bekannt im ganzen Land“
Neffe 2:
„für sein unerbittliches Handeln“
Neffe 3:
„im Umgang mit dem finsteren Höllengelichter.“
Knie:
„So eilt denn und holt diesen Recken herbei!“
Die Neffen eilen sofort los und erscheinen gleich darauf von der anderen Seite wieder mit Fifi und seinem Gefolge.
Die Neffen:
„Onkel, Onkel, guck mal, wir haben ihn gefunden!“
Der König winkt Fifi zu sich heran, um ihm von seinem Leid zu berichten.
Fifi:
„Wohlan, meine Vision erfüllt sich hier. Seid getrost König Mager der Dämon hat bereits verloren, Lenor will es!!“
Lülü:
„So sei es euer Hochwohlgeboren, solange Lenor mit uns ist können wir auch schadlos durch die Lande von Schmeißfliegenhain wandeln und dort in seinem Namen das Licht bringen.“
Tangatier:
„Gewißlich, und die rostrote Truppe wird sich stets zu eurer Unterstützung bereit halten und hinter euch stehen.“
4. Bild
Der Marktplatz in der Hauptstadt
Graf Knie steht auf dem Markt und sieht sich um.
Einige Marktfrauen (die bekanntlich alles sehen, alles hören und alles wissen) stehen tratschend herum.
Marktweib 1:
„Do schaugs da o wias wida san de Auswärtig‘n, nix kafa aba dumm rumseh‘n.“
Marktweib 2:
„Recht host, a Schand is des ois wann ma net gnua Sorgn hätt‘n. Mei unsa arma Kini an dem san bloß de Fremden schuid…..“
Knie:
„Sagt an ihr Frauen ist euch ein gewisser Aspirin bekannt?“
Marktweib 1:
„Freilich, der is do hinten, wann’st de Straß obi gehst, ja do muast hie.“
Graf Knie geht ein paar Schritte in die gewiesen Richtung.
Marktweib 2:
„Na, schaug do hob i eam g’seng, do muast her.“
Die Marktweiber sind sich offenbar nicht einig, wo Aspirin anzutreffen ist und weisen in alle Himmelsrichtungen. Graf Knie ist sichtlich verwirrt.
Knie :
„Was, wo? Sagt wisst Ihr nicht, daß eine Person wie ich respektierlich behandelt werden muß. Wollt ihr euch über mich lustig machen?“
Marktweib 1:
„Geh Du Ruam (Rübe), stell Dich net so o. Allerweil des Gleiche mit dene Zuagroasten.“
Noch bevor die andere etwas erwidern kann, zieht der Graf wutentbrannt einen Dolch und streckt beide Marktweiber niedert.
Teeleste und Karnigel haben dieses Ereignis beobachtet.
Teeleste:
„Wie konntet Ihr das nur machen, Unschuldige zu töten.“
Karnigel (zu Teeleste):
„Wir sollten lieber abreisen.“
Knie:
„Ach, dieses nutzlose Gesindel …“
Bevor der Graf noch weitersprechen kann erscheint Aspirin mit der Krone. Teeleste und Karnigel stehen nun genau zwischen Graf Knie und Aspirin.
Aspirin:
„Sieh an, Teeleste. Ist Dein Gedächtnis immer noch sooo lückenhaft? So weiß ich doch etwas das für Dich von großer Bedeutung sein könnte.“
Knie:
„Aspirin, ich erkenne Dich. Rück sofort die Krone raus!“
Aspirin:
„Ich denke gar nicht daran.“
Knie:
„Dies ist der Anfang von Deinem Ende du Wurm!“
Aspirin:
„Du bemitleidenswerter Mensch, wie kannst Du dich anmaßen mir zu drohen, mir dem großmächtigen ASPIRIN.“
Karnigel (zu Teeleste):
„Wir sollten hier verschwinden!“
Teeleste (zwischen den Fronten stehend):
„Oh weh nun bin ich schon wieder in etwas hineingezogen, warum passiert nur mir solches!“
Baron Fifi und seine Getreuen erreichen den Schauplatz und schlagen mit ihren Schwertern auf den Dämonen ein. Karnigel zieht Teeleste zur Seite, um Graf Knie Platz zu machen, der nun auch mit seinem Schwert auf Aspirin eindrängt.
Knie:
„Stirb, Du Ausgeburt der Hölle!“
Fifi:
„Lenor will es!!“
Lülü:
„Lenor will es!!“
Tangatier:
„Gewißlich, und die rostrote Truppe wird sich stets zu eurer Unterstützung bereit halten und hinter euch stehen.“
Die Neffen:
„Onkel Knie, hau wie nie!?
Fifi:
„Lenor will es!!“
Lülü:
„Lenor will es!!“
Die Neffen:
„Fifi voran!“
So geht der Kampf eine Weile, bis Aspirin irgendwann zu genervt von dem „Lenor will es“ Geschrei ist, daß er freiwillig abzieht.
Die Krone drückt dabei er Teeleste in die Hand.
Teeleste (mit der Krone in der Hand):
„Was habe ich nur vergessen?“
Fifi:
„Lobet Lenor!“
Nachspiel:
Der Thronsaal von König Mager
Teeleste tritt vor den König, um ihm die Krone zurück zu geben. Nun erkennen beide, dass sie vom Schicksal zusammengeführt wurden, glücklich fallen sie sich in die Arme.
Ende